Redenschreiben: Mit Stil zum Erfolg mit diesen 5 Rhetorik-Tipps

5 einfache Rhetorik-Tipps, wie Sie eine stilistisch bessere Rede schreiben

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen Wort ist derselbe wie zwischen Blitz und Glühwürmchen.“

Das hat Mark Twain irgendwann einmal gesagt. Und damit den Nagel auf den Kopf getroffen: Wenn Sie beim Redenschreiben das falsche Wort verwenden, wie wollen Sie dann irgendetwas verständlich ausdrücken? Irgendwen mitreißen? Von irgendwas überzeugen?

Genau darum soll’s in diesem Artikel gehen: Welche Schreibtipps sollten Sie beachten, wenn Sie eine gute Rede verfassen wollen?

1.     Rhetorik-Tipp: Ihr Publikum entscheidet über Ihren Schreibstil.

Wie jetzt? Warum das Publikum? Hat nicht jeder Mensch einen individuellen Schreibstil, den er oder sie beibehalten sollte?

Stimmt schon. Und das ist auch gut so, denn darin unterscheiden Sie sich von anderen. Das gibt Ihnen Sicherheit. Aber grundsätzlich gilt in der Rhetorik:

Ihre gesamte Argumentation sollte auf die rhetorische Situation angepasst sein!

Was das genau für Ihre Argumentation bedeutet, haben unsere Rhetorik-Trainer hier erklärt. Ein Kernbestandteil dieser Situation ist das Publikum. Doch warum ist es so wichtig?

Weil Ihr Publikum darüber entscheidet, ob es Sie und Ihr Anliegen für überzeugend hält. Finden Sie keinen Draht zum Publikum, war’s das.

Deshalb sollte die Sprache Ihrer Rede immer an das Publikum angeglichen werden. Das bedeutet:

  • Welche ‚Sprache‘ spricht das Publikum: Fachausdrücke, Slang, Sprach-Gewohnheiten?
  • Wie verwendet das Publikum seine ‚Sprache‘: locker-lässig, sachlich-kritisch, kraftvoll-leidenschaftlich?

Ein simples Beispiel: Sie würden vor Senioren ein anderes Vokabular benutzen als vor Teenagern. Bieten Sie etwas, womit sich Ihr Publikum (sprachlich) identifizieren kann. Wie Sie das erreichen, erfahren Sie hier. Denn genau das wollen wir mit diesem stilistischen Rhetorik-Tipp verdeutlichen.

2.     Rhetorik-Tipp: Machen Sie’s Ihrem Publikum leicht

Wer nichts versteht, hat keine Lust, zuzuhören. Machen Sie es Ihren Zuhörern deshalb einfach, Ihnen zu folgen. Komplexe Gedanken können in einfachen Begriffen erklärt werden. Und auch eine schlichte Sprache kann schön sein.

Halten Sie sich dabei zwar immer an die Angemessenheits-Regel, beachten Sie aber zugleich auch unsere Stil-Empfehlungen:

  • Vermeiden Sie Schachtelsätze. Die sind nicht nur schwer verständlich, sondern auf Dauer auch zu anstrengend. Auch für Sie als Redner. Passen Sie die Länge Ihrer Sätze auf Ihre Atmung bzw. Ihr Lungen-Volumen an.
  • Vermeiden Sie zu lange Komposita. Das sind zusammengesetzte Substantive, wie die Donaudampfschiffskapitänsmütze. Zu sperrig, nicht eingängig. Denken Sie dran: Ein Rede ist ein mündlicher Text. So sollte er sich anhören. Immerhin hat niemand die Möglichkeit, eine Seite zurückzublättern, um nochmals nachzulesen, was Sie gerade ausdrücken wollten.
  • Fachbegriffe nur da, wo unbedingt nötig. Achten Sie darauf, vor welchem Publikum Sie reden. Jedes Publikum hat „seine“ Begriffe, die ein Redner verwenden muss, um dazuzugehören. Verwenden Sie nur solche Begriffe, von denen Sie sicher sind, dass sie verstanden werden. Oder erklären Sie sie gegebenenfalls.

3.     Rhetorik-Tipp: Das sollten Sie beim Satzbau beachten

Wir hatten’s ja schon von der Länge der Sätze: Atmung und Verständlichkeit. Jetzt zu einer ästhetischen Angelegenheit:

Ihre Sätze sollten harmonisch klingen.

Wer nur in kurzen oder langen Sätzen spricht, langweilt, weil der Rhythmus eintönig und immer gleich ist. Bringen Sie Variation hinein, indem Sie lange und kurze Sätze abwechseln. Das schmeichelt auch dem Ohr.

Zweiter wichtiger Punkt: Ihre Worte sollten zur Sache passen, die Sie damit ausdrücken wollen.

Für den Satzbau heißt das: Wenn Sie Spannung erregen wollen, sind kurze Sätze perfekt. Wenn Sie einfach nur einen Sachverhalt darstellen wollen, ohne besondere Emotionen hervorzurufen, dann wäre der abhackte Stil kurzer Sätze irreführend.

4.     Rhetorik-Tipp: Verwenden Sie hauptsächlich Aktiv-Konstruktionen

Auch das hat zwei Gründe:

  1. Verständlichkeit
  2. Dynamik

Ein Beispiel zur Verständlichkeit:

A: „Wir verstehen Aktiv-Konstruktionen leichter.“

B: „Aktiv-Konstruktionen sind für uns leichter zu verstehen.“

Welche von beiden Konstruktionen empfinden Sie als verständlicher? Wohlgemerkt: mündlich vorgetragen. Jetzt stellen Sie sich auch noch einen komplexeren Satz vor…

Außerdem bringt eine Aktiv-Konstruktion mehr Dynamik ins Geschehen, weil wir jemanden haben, der etwas tut. Passiv-Konstruktionen eignen sich immer dann, wenn Sie ausdrücken wollen, dass mit jemandem etwas getan wird oder wenn der Täter nicht so wichtig ist. Wenn also das Objekt bedeutender ist. Ansonsten: lieber Aktiv.

5.     Rhetorik-Tipp: Verwenden Sie kraftvolle, emotionale Sprache.

Wir sind Menschen. Egal, ob im auf ökomischen Nutzen ausgerichteten Meeting. Oder im Finanzprüfungsausschuss. Wir sind und bleiben Menschen.

Das heißt: Wir wollen unterhalten werden, wollen bisweilen mitgerissen werden. Wir brauchen unsere Dosis Gefühl, sonst wird das nichts mit der Überzeugung.

Bieten Sie Ihren Zuhörern deshalb dort, wo es angemessen ist, eine kraftvolle, emotionale Sprache. Spielen Sie mit Wörtern. Nehmen Sie ruhig mal ein extremeres Wort. Schlagen Sie in Synonym-Wörterbüchern nach kräftigeren oder selteneren Synonymen nach. Seien Sie mutig. Ihr Publikum wird’s freuen und honorieren.

Fazit

Eine gute Rede lebt nicht von Inhalt und Vortrag allein, sondern auch von der richtigen Wortwahl. Dabei sollten Sie sich vor allem von diesen drei Kriterien leiten lassen:

  • Angemessenheit der Worte zur rhetorischen Situation.
  • Verständlichkeit Ihrer Sprache.
  • Schönheit Ihrer Sprache, die gefällt und deshalb mitreißt.

Verinnerlichen Sie unsere Stil-Empfehlungen für eine überzeugendere Rede. Und halten Sie sich dabei an den alten Rat der Rhetorik-Trainer:

Orientieren Sie sich an der gehobenen Umgangssprache. Und seien Sie mutig.

Was sind Ihre Stil-Tipps? Haben Sie Stil-Vorbilder? Schreiben Sie’s in die Kommentare!



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