Wie ich in 5 Schritten lernte, mein Lampenfieber zu überwinden – von einem (ehemals) Lampenfieber-Geplagten

Öffentlich zu reden – es war die Hölle für mich. Die vielen Leute, ich allein da vorn – auf dem Präsentierteller. Ich war nervös, hibbelig, ängstlich. Vor jedem Rede-Auftritt habe ich mir gesagt:

So schlimm wird’s schon nicht. Halte durch.

Trotzdem hatte ich einen wüsten-trockenen Mund (dafür waren meine Hände klitschnass…), meine Stimme zitterte auf so alberne Weise, dass ich mir wünschte, jemand anderes würde für mich einspringen und mir den Rede-Auftritt ersparen.

Ich litt unter massivem Lampenfieber (wobei dieses Wort das, was ich vor jeder Rede oder Präsentation durchmachte, nicht trifft. Es ist viel zu beschönigend, aber egal). Je besser es für mich im Job lief, desto öfter sollte ich öffentlich reden. Irgendwann wollte ich den ganzen Stress nicht mehr und habe mich nach einem Rhetorik-Training umgeschaut. Und dabei in fünf Schritten gelernt, mein Lampenfieber so in den Griff zu kriegen, dass ich öffentlich reden kann. Ich liebe es zwar immer noch nicht, aber ich kann es inzwischen. Das ist für mich die Hauptsache.

Anti-Lampenfieber-Schritt 1: Was Lampenfieber grundsätzlich nicht ist

Lange Zeit hatte ich Lampenfieber als Angst, vor anderen zu reden, begriffen. Im Seminar von Rainer Baber, einem Stuttgarter Rhetorik-Trainer, erfuhr ich, dass das nicht stimmt. Lampenfieber ist die Angst vor eigenen Fehlern, vor Kritik und Versagen. Dabei kann schon allein die Furcht, Lampenfieber zu bekommen, zur Belastung werden.

Das Gute daran ist: Nicht die Rede-Auftritte, sondern meine Wahrnehmung dieser Auftritte waren das Problem – und zwar ein mehr als Lösbares.

Rainer Baber gab mir den Rat, mich auf jede Rede oder Präsentation akribisch vorzubereiten. Das nehme mir die Nervosität vor Reden oder Vorträgen, sagte er.

Derselbe Effekt könne durch viel Übung erreicht werden. Je mehr ich mich traue, öffentlich zu reden, desto routinierter werde ich. Und desto selbstsicherer (und überzeugender) trete ich auf.

Schön, dachte ich, was hilft aber konkret gegen mein Lampenfieber?

Anti-Lampenfieber-Schritt 2: Frühzeitig am Rede-Ort sein

Ich solle frühzeitig an den Ort kommen, wo ich eine Rede oder Präsentation halten werde. Wie früh ich erscheinen soll, sei abhängig vom jeweiligen Redner, also von mir selbst.

Mir helfen 45 Minuten vorher, um mich intensiv mit dem Raum, seiner Aufteilung, seinen (technischen) Gegebenheiten vertraut zu machen.

Es ist ein bisschen so, als wollte ich mich dort „einleben“, wo ich reden soll. Den Raum, den „Tatort“ richtig gut zu kennen, gibt Selbstvertrauen und entspannende Sicherheit.

Anti-Lampenfieber-Schritt 3: Small Talk mit den Zuhörern machen

So wie es hilft, sich mit dem Rede-Ort vertraut zu machen, so effektiv gegen Lampenfieber ist es, das Publikum kennenzulernen. Auch wenn’s banal klingt, aber die Leute, zu denen man spricht, sind Menschen und keine Monster, die nur darauf warten, beim kleinsten Fehler höhnisch zu lachen.

Wer frühzeitig am Rede-Ort ist, der hat reichlich Zeit, mit den Leuten zu reden, die peu à peu hereinkommen. Mit dem richtigen Small-Talk-Einstieg führen Sie bald ein lockeres Gespräch über dies und das.

Der Effekt dieses Gesprächs: Sie lernen die Leute kennen, die Leute lernen Sie kennen, Sie beide werden sich sympathisch. Ihre Rede-Angst wird dabei massiv gedämpft, denn vor Menschen, die man ganz gut kennt, blamiert man sich nicht so schnell. Vor allem tut es nicht so weh.

Und Menschen schauen über Ihre kleinen Fehler eher hinweg, wenn sie Sie gut kennen, als wenn Sie ein völlig Unbekannter sind. Da ist die Hemmschwelle einfach größer – zumindest ist das meine (Rede-) Erfahrung seither.

Anti-Lampenfieber-Schritt 4: Effektiv entspannen mit den richtigen Techniken

Rainer Baber, mein Rhetorik-Trainer, hat mir geraten, am Tag der Rede und kurz vor dem Auftritt eine dieser Entspannungstechniken anzuwenden, um mich runterzufahren und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

  1. Technik: Ballen Sie die Hände zu Fäusten und halten Sie sie ein paar Sekunden lang angespannt. Dann lösen Sie die Spannung wieder. Wiederholen Sie diesen Vorgang ein paar Mal, bis das Gefühl haben, entspannt genug zu sein, um nach vorn gehen zu können.
  2. Technik: ein bisschen Gymnastik (natürlich nur da, wo Sie unbeobachtet sind…) Je nachdem, was Ihnen am besten gefällt. Mir helfen Kniebeugen richtig gut. Gymnastik regt den Kreislauf an, bringt Sauerstoff ins Gehirn und macht Sie fit für den Rede-Auftritt.
  3. Falls Sie noch mehr Entspannungstechniken suchen, werden Sie hier fündig.

Anti-Lampenfieber-Schritt 4: Die typischen Lampenfieber-Symptome effektiv bekämpfen

Für mich waren sie immer einer der größten Störfaktoren des Lampenfiebers: brüchige Stimme, zitternde Hände, schweißnasse Hände. Ich fühlte mich deswegen unwohl und habe unsicher auf mein Publikum gewirkt. (Der Witz dabei ist ja, dass keiner aus dem Publikum weiß, wie feucht die Hände sind oder wie schnell das Herz schlägt. Trotzdem war mir das alles schrecklich unangenehm.)

  • Herzklopfen: Mir hat am besten geholfen, dreimal tief ein- und wieder auszuatmen und dabei jedes Mal den Atem für zwei, drei Sekunden anzuhalten. Währenddessen sagte ich mir: „Du bist ganz ruhig.“ Selbst-Hypnose hilft…
  • Trockener Mund: Am besten ein Glas stilles, zimmertemperiertes Wasser trinken. Das macht die Stimmbänder geschmeidig. Salziges, Kohlensäure-Haltiges oder Kaffee hemmen die Stimmbänder, sagte mein Rhetorik-Trainer.
  • Belegte Stimme: Husten, einen Schluck Wasser trinken, gurgeln. Notfalls ein Lied während des Gurgelns summen. Nicht räuspern! Das schädigt die Stimmbänder.
  • Zitternde Hände: Postkartengroße Karteikarten (mit Notizen) helfen. Lassen Sie die Hände nicht hängen, das wirkt unmotiviert und verstärkt das Zittern. Herr Baber riet mir, während des Redens diese Gesten anzuwenden, um Leben in meinen Vortrag zu bringen.
  • Schweiß: Zwei einfache Tipps dazu. Erstens, ein Taschentuch mitnehmen, zweitens dementsprechend anziehen (auf weißer Kleidung sieht man Schweißflecken nicht so explizit).
  • Blackout: Plötzlich nicht mehr zu wissen, was man eigentlich sagen wollte, war bzw. ist eine meiner größten Sorgen. Rainer Baber wusste aber auch hier Rat und empfahl mir, diese 8 Rhetorik-Tipps anzuwenden (die, by the way, sehr entspannend wirken – ich habe keine Angst mehr, meinen Rede-Inhalt zu vergessen).

Fazit

Natürlich bin ich nicht auf ewig von meinem Lampenfieber kuriert. Aber ich habe durch Rainer Babers Tipps gelernt, es zu beherrschen. Vor Rede-Auftritten muss ich mich heutzutage nicht mehr überwinden,

  • weil ich mir bewusst bin, dass nicht die Rede-Auftritte, sondern nur meine sorgenvollen Vorstellungen von ihnen Aufregung verursachen,
  • weil ich frühzeitig am Rede-Ort erscheine und mich mit ihm vertraut mache,
  • weil ich mit meinem Publikum im Vorfeld Small Talk halte und dabei herausfinde: Das sind ganz normale Typen,
  • weil ich mich mit Entspannungstechniken beruhige und
  • weil ich die typischen Lampenfieber-Symptome mit einfachen Rhetorik-Tricks erfolgreich bekämpfe.

Welche Tricks wenden Sie an, um Lampenfieber in den Griff zu kriegen

 

Bild: Illustration Marcus Stark / pixelio.de



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