Ausgefuchtelt! So halten Sie im Vortrag Ihre Hände immer goldrichtig (3 Rhetorik-Tipps und 1 Bilderstrecke)

„Ich habe es schon nach den ersten paar Sätzen gemerkt: Ich bekam keinen Draht zum meinem Publikum. Irgendwas störte und ich wusste nicht mal was! Meine Hände fingen an, wie wild zu schwitzen, ich fuchtelte immer unruhiger mit ihnen herum. So als ob ich die Luft quirlen wollte, sagte mir später eine Kollegin. Ich hab es bemerkt und steckte meine Hände in die Hosentasche – in der Hoffnung, dass es jetzt besser werden würde. Aber Pfeifendeckel. Ich ballte in den Taschen meine Fäuste. Einige Leute im Publikum starrten verwundert auf meine ausgebeulten Hosentaschen. Ich kam mir blöd vor, da vorne.

Plötzlich dämmerte es mir: Es war mein Rumgefuchtel, das die Leute irritierte. Am Ende dieser besch***enen Präsentation schwor ich mir: Nie wieder!, und suchte im Internet nach Hilfe. Da bin ich auf eins Ihrer Rhetorik-Seminare gestoßen. Können Sie mir helfen?“

Diese Geschichte erzählte uns Thomas, einer unserer Seminar-Teilnehmer. Thomas ist kein Einzelfall – natürlich konnten wir ihm helfen. Wir gaben ihm diese 3 einfachen Rhetorik-Tipps, mit denen er sein unprofessionell wirkendes Rumgefuchtel ein für alle Mal in den Griff bekam.

Die Grundlage des Rede-Erfolgs: eine positive und professionelle Wirkung als Redner

Meist ist Rumfuchteln ein Zeichen von Nervosität oder Lampenfieber – also wirklich nichts Schlimmes. Denn Nervosität können Sie leicht begegnen (Hier zeigen wir Ihnen übrigens, wie Sie trotz Nervosität einen überzeugenden Eindruck beim Vortragen machen.)

 „Kann mir ein Kuli in der Hand helfen? Er entspannt mich immerhin.“

Das war eine der ersten von Thomas‘ Fragen. Unsere Antwort: Nein! Viele fühlen sich zwar mit Kugelschreiber ruhiger, nach außen hingegen verstärkt der Kugelschreiber die Fuchtelei. Es wird damit nur noch schlimmer. Ohne Kuli wirken Sie souveräner!

Deshalb gilt die Regel: Was Sie länger als ca. 30-60 Sekunden nicht mehr benötigen werden, legen Sie aus der Hand. Sollten Sie dennoch etwas in die Hand nehmen müssen, z. B. einen Laserpointer, so nehmen Sie den Gegenstand in die „schwache“ Hand, bei Rechtshändern ist dies die Linke. So bleibt das Fuchteln aus und Sie haben Ihre „starke“ Hand für souveräne Gesten zur Verfügung. Wie diese aussehen, das sagen wir Ihnen jetzt.

Rhetorik-Tipp #1: Die 3 Abschnitte des Gesten-Raums und Ihre Grundhandhaltung

Wie sollte denn nun die ideale Gestik aussehen? Vorab: So etwas wie eine perfekte Geste, die immer und überall funktioniert, gibt‘s (leider) nicht. Gute Rhetorik bedeutet immer, das in einer bestimmten Situation überzeugendste Mittel zu finden. Auch bei Gesten.

Aber es gibt ein paar Faustregeln: Grundsätzlich kann der „Raum“, innerhalb dessen Sie gestikulieren, in drei Abschnitte eingeteilt werden:

  1. Der negative Gesten-Raum: alles unterhalb der Gürtellinie.
  2. Der neutrale Gesten-Raum: alles vom Gürtel bis zur Brusthöhe.
  3. Der positive Gesten-Raum: alles oberhalb der Brusthöhe.

Ihre Grundhaltung sollte der neutrale Gesten-Raum sein. Versuchen Sie, Ihre Hände beim Vortrag meist auf Höhe Ihres Bauches zu halten. Wenn es passt, verlassen Sie diesen Raum und akzentuieren Sie Ihre Worte mit einer angemessenen Geste.

Rhetorik-Tipp #2: Reden Sie durch ein imaginäres Fenster

Stellen Sie sich ein Fenster vor, das von Ihren Schultern bis zur Gürtellinie reicht. Durch dieses Fenster reden Sie, innerhalb dieses Rahmens sollte sich das Gros Ihrer Gesten abspielen.

Wie möchten Sie beim Publikum ankommen? Ruhig und sicher? Mitreißend und motivierend? Sie sollten sich vor Ihrem Vortrag klarmachen, was am Ende dabei rauskommen soll:

  • Was sollen die Leute denken und fühlen?
  • Was soll Ihr Publikum nach Ihrer Rede tun?
  • Wie sollen die Leute Sie wahrnehmen?

Daran richten Sie dann Ihre Gestik aus. Grundsätzlich möchten wir als Redner als souverän, kompetent und selbstsicher rüberkommen. Das ist die Bassline Ihres Rede-Auftritts. Die Gestik dazu sieht idealerweise so aus:

  1. Ruhige, dezente Gesten: Heftige Bewegungen sollten Sie sparsam einsetzen. Dort, wo es passt, ist gestikuliertes Pathos ein Hammer. Wo es nicht passt, erschlägt es die Leute. Ihre Gesten sollten Ihre Worte unterstreichen, nicht wegwischen.
  2. Wirken Sie natürlich: Vorher genauestens einstudierte Gesten floppen garantiert. Sie wirken hölzern und unnatürlich. Gewöhnen Sie sich ein paar Gesten an und lassen Sie diese in Fleisch und Blut übergehen.
  3. Wenden Sie Ihrem Publikum nie den Rücken zu: Das wirkt unhöflich und mindert Ihre Überzeugungskraft, denn Ihre Worte schallen gegen die Wand und werden schlechter verstanden. Stellen Sie sich also immer so zu Flipchart oder PowerPoint, dass Sie mit offener Gestik anzeigen können.

Rhetorik-Tipp #3: 6 Gesten, mit denen Sie Ihre Zuhörer motivieren können

Es ist nicht leicht, ein lustloses Publikum zu motivieren. Mit diesen 6 Gesten schaffen Sie es, Ihre Zuhörer auch körperlich mitzureißen. (Worauf es noch ankommt, um Ihre Zuhörer zu motivieren, haben wir hier für Sie zusammengefasst.)

  1. Die geballte Faust: Sie drückt Stärke aus und Entschlossenheit. Setzen Sie sie ein, um machtvolle Aussagen zu unterstützen. Eine geballte Faust kann aber auch aggressiv und bedrohlich erscheinen – also Vorsicht!
  2. Daumen und Zeigefinger aneinanderlegen: Dies ist eine klassische Geste, die in leichter Variation schon in der Antike verwendet wurde – sich also seit tausenden Jahren bewährt hat. Sie ist geeignet, um Aussagen zu akzentuieren. Eine sanfte, abwägende Geste.
  3. Die Waagschale: Apropos abwägen: Bei Pro-und-Contra-Argumentationen ist die Waagschale ein Klassiker. Halten Sie Ihre Hände beim Reden wie eine Waage: auf der einen Seite die Pro-, auf der anderen die Contra-Argumente – so als würden Sie die Argumente auch mit Ihren Händen abwägen.
  4. Der Basketball: Beide Hände vor dem Bauch so zu halten, als umfassten Sie einen Basketball, ist eine der Lieblingsgesten von Barack Obama: abwägend und doch zupackend, sachlich, aber eindeutig: Sie haben die Sache fest in der Hand wie einen Basketball. Ab in den Korb damit.
  5. Handflächen zum Publikum: Offene Gesten sind immer gut. Sie wirken sicher und transparent. Wenn Sie also Fakten offen- bzw. darlegen, dann sind die offenen Handflächen Richtung Publikum Ihr idealer Partner in Sachen Gestik.
  6. Der ausgestreckte Zeigefinger: Kaum eine Geste hat eine so lange und so zwiespältige Geschichte wie der ausgestreckte Zeigefinger. Herrscher wenden ihn selbstbewusst Richtung Zukunft, Oberlehrer tadeln mit ihm und der smarte Redner nutzt ihn, um eindringlich auf etwas hinzuweisen. So vielfältig seine Geschichte, so auch seine Wirkung. Also Achtung, sehr schnell kann aus der zukunftsweisenden eine oberlehrerhafte Geste werden.

Wir haben für Sie das Internet durchforstet und sind dabei auf diese nützliche Bilderstrecke des Handelsblatts Online gestoßen. Lassen Sie sich inspirieren!

Fazit

Die richtige Geste im richtigen Augenblick ist einer der Wege, um Hirn und Herz der Menschen für sich zu gewinnen – die anderen Wege, die Sie unbedingt kennen sollten, verraten wir Ihnen hier. Hier nochmal unsere besten Rhetorik-Tipps zu Händen in Reden oder Präsentationen, wie wir sie auch Thomas vermittelt haben:

Grundsätzlich gibt es drei Gesten-Räume: den negativen (unterhalb des Gürtels), den neutralen (Gürtel bis Brusthöhe) und den positiven (über der Brust). Als Grundhaltung empfehlen unsere Rhetorik-Trainer Ihnen die Hände auf Höhe des Bauches zu halten. Eine dezente Fenster-Gestik unterstreicht Ihre Worte am besten. Sprechen Sie durch Ihr imaginäres Fenster, das vom Gürtel bis zu den Schultern reicht. Nutzen Sie ruhige Gesten und vermeiden Sie einstudierte, hölzerne Gesten. Wenden Sie sich dabei immer offen Ihrem Publikum zu. Es gibt eine Reihe nützlicher Gesten, wie den Basketball oder die angelegten Daumen- und Zeigefinger. Lassen Sie die Gesten in Fleisch und Blut übergehen, dann wirken Sie natürlich und souverän.

Zum Abschluss, der allerwichtigste Rhetorik-Tipp: Passen Sie alles, was Sie als Redner tun oder sagen, an die Situation an, in der Sie sprechen. Es gibt leider kein Patentrezept, sondern nur Richtlinien, deren Brauchbarkeit für jede Situation neu ermessen werden muss. Doch Sie sind schon einen großen Schritt weiter, wenn Sie nach diesem Prinzip vorgehen:

„Sagen, was man zeigt, und zeigen, was man sagt.“

Was sind Ihre Lieblingsgesten? Und warum? Sagen Sie es uns in den Kommentaren! Wir freuen uns darauf!

 

 

Foto: E. Kopp / pixelio.de

 



Schreibe einen Kommentar