Nervös bei Präsentationen? 10 Tipps, wie Sie trotzdem sicher und souverän auftreten

„Das ist der Anfang vom Ende.“, denken Sie. Na ja, wirklich? So schlimm ist es nun auch nicht, eine Präsentation zu halten, oder? Und schon haben Sie etwas richtig gemacht: Sie haben Ihre Nervosität gezügelt. Indem Sie sie relativiert haben.

Das allein reicht aber (leider) nicht aus: Deshalb gibt’s hier zehn wirkungsvolle Tipps gegen Präsentations-Stress und Lampenfieber, die Sie unbedingt anwenden sollten, wenn Sie befreit vortragen wollen.

1. There is no second chance to make a first impression

Wir Menschen haben eine unglückliche Angewohnheit: Wir stopfen alles sofort in Schubladen.

Sehen wir einen Menschen – sagen wir: einen Anzugträger – kommt er in die Schublade: (wahrscheinlich erfolgreicher) Geschäftsmann. Der Hippie da drüben, auf der anderen Straßenseite, der raucht wahrscheinlich gern mal einen Joint. Stimmt’s?

Muss nicht sein, aber unser Gehirn ordnet fast jeden Reiz, der auf uns hereinprasselt, automatisch ein. Diese Kategorisierung hilft uns, durch den Alltag zu kommen, denn jedes einzelnes Ding scharf zu analysieren, würde zu viel unnötige Aufmerksamkeit benötigen.

Die Psychologie spricht dabei von sogenannten mental shortcuts: kognitive Faustregeln, mit denen wir schnell Urteile und Entscheidungen über bestimmte Sachverhalte treffen können, auch wenn wir nur wenige Informationen zur Verfügung haben.

Ein beliebter shortcut ist die Vorstellung teuer = gut. Sie kennen das vom Wein-Kauf: Im Zweifelsfall entscheiden wir uns meistens für den teureren Wein, weil wir meinen, der müsse besser sein. Nur weil er teurer ist als der andere. Nicht zwingend logisch, aber zumeist bewährt.

Und um einiges einfacher: Statt stundenlangem Qualitätsstudium des Weins einfach eine Entscheidung finden aufgrund eines offensichtlichen Merkmals: dem Preis.

Was das mit Ihnen und Ihrem Vortrag zu tun hat?

Ihre Zuhörer nutzen ebenfalls shortcuts, um Sie als Redner zu beurteilen – schließlich müssen sie die wichtige Entscheidung fällen: Soll ich meine wertvolle Zeit wirklich der Person da vorn schenken?

Bedenken Sie also immer: Sie werden von Ihrem Publikum umgehend eingeordnet anhand Ihrer Kleidung, Ihres Auftretens etc. Passen Sie deshalb gerade Mimik, Gestik und Kleidung an, sodass Sie so eingeordnet werden, wie Sie es möchten. Denn:

„Erfolgreiche Rhetorik beginnt schon lange vor dem ersten Wort.“

2. Sich richtig präsentieren: Ankommen, loslegen, abtreten

Ein Kommilitone von mir hat im ersten Semester meines Rhetorik-Studiums einen ungeschickten Fehler gemacht, als er im Seminar ein Referat halten sollte: Beim Nach-vorne-gehen hat er bereits angefangen zu reden.

Unser Dozent erklärte uns daraufhin: Der Kommilitone habe gewirkt, als wollte er die Präsentation möglichst schnell hinter sich bringen. Und das habe ziemlich unsicher gewirkt…

Machen Sie nicht denselben Fehler:

  • Gehen Sie angemessenen Schrittes selbstsicher nach vorn,
  • verschaffen Sie sich einen sicheren Stand,
  • lächeln Sie freundlich in die Runde

und legen Sie dann in aller Ruhe los.

Geben Sie Ihrem Publikum Zeit, sich auf Sie einzustellen, die Aufmerksamkeit hochzufahren. Dann geht nichts verloren. Der Anfang – egal, ob in Präsentationen, Verkaufsgesprächen oder Reden – ist immer essentiell.

Auch für Sie: Gelassen mit dem Vortrag anzufangen ist angenehmer und wirkungsvoller als inmitten selbstauferlegter Hektik, die sich ja letzten Endes auch auf Ihre Zuhörer überträgt.

3. In der Rhetorik zählt nicht, wie Sie sich fühlen, sondern wie Sie wirken

Prof. Albert Mehrabian von der University of California hat in einer Studie untersucht, was passiert, wenn Körpersprache bzw. Stimme nicht zum Inhalt passen.

Beispiel: Wenn ich mit hängenden Schultern und lustloser Stimme zu Ihnen sage: „Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel lesen, liebe Leserinnen und Leser.“ Würden Sie’s mir abnehmen? Wohl kaum.

Das ist auch Prof. Mehrabians Ergebnis: 93 % der Zuhörer orientieren sich eher an der Körpersprache und dem Ausdruck Ihrer Stimme, wenn Gesagtes und Körpersprache nicht zusammenpassen. Obwohl ich Ihnen ja sagte, dass ich mich freue, hätten Sie es mir aufgrund der lustlosen Stimme nicht geglaubt.

Machen Sie sich in der Präsentation das zunutze: Niemand weiß, wie Sie sich fühlen. Es interessiert auch keinen, denn:

„Es kommt darauf an, wie Sie auf Ihr Publikum wirken, nicht wie Sie sich fühlen!“

4. Kurz. Prägnant. Formulieren.

Diese Anweisung gibt’s in jedem Präsentationsseminar oder Verkaufstraining. Warum? Aus vielerlei Gründen. Einer, der Ihnen Sicherheit beim Präsentieren verleiht, lautet:

„Wer in kurzen Sätzen spricht, kann leichter vortragen, ohne in Atemnot zu geraten.“

Klingt jetzt vielleicht nicht nach dem Rhetorik-Tipp des Jahrhunderts, ist aber von großer Bedeutung. Sie können Ihre Nervosität über die Atmung in den Griff kriegen: Langsam und rhythmisch atmen beruhigt den Körper.

Den Rhythmus bekommen Sie über die Länge Ihrer Sätze hin: Passen Sie die Satzlänge an Ihren Sprechrhythmus an. Vermeiden Sie dabei Bandwurm-Sätze, bei denen Ihnen zwangsläufig die Luft ausgehen muss…

5. Sagen Sie’s mit Leidenschaft!

Ein Schlachtfeld. Vor uns: eine Reihe mutiger Männer, bewaffnet mit Lanzen, Mistgabeln, Knüppeln. Davor: ein Mann auf einem Pferd, das Gesicht blau bemalt. Er ruft den Mannen zu:

„Sie mögen uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen Sie uns uns’re Freiheit!“

Erinnern Sie sich an diese Szene aus dem Film „Braveheart“?

Zugegeben: Das mag nicht gerade die alltägliche Rede-Situation sein, der Sie sich stellen müssen. Aber eines können Sie davon mitnehmen: Leidenschaft.

Sie müssen weder die Quartalszahlen noch Ihre Bewerbungspräsentation für einen Etat mit dem Pathos der Feldherrn-Rede vortragen, aber Ihr Publikum sollte merken, dass Ihnen das Thema wichtig ist.

Eine leidenschaftliche Stimmführung dort, wo es passt, und als Grundtempo eine ruhige, klare Aussprache sorgen dafür, dass Sie als souverän wahrgenommen werden. Denn: Man nimmt Ihnen ab, dass Sie mit dem Elan desjenigen dabei sind, der für sein Thema brennt. Und diese Leidenschaft überträgt sich auf Ihr Publikum. Oder wirkt Mel Gibson in der Szene auf Sie etwa unsicher?

Ein Tipp für Sie aus dem Filmbusiness: Profi-Schauspieler nutzen für eine überzeugende Performance eine Technik, die schon in der Antike beliebt war: Selbst-Affektation.

Das heißt: Die Gefühle, die Sie in anderen erwecken wollen, müssen Sie selbst fühlen. Dieses Reinsteigern in Gefühlswelten und Persönlichkeiten wenden Schauspieler wie Robert de Niro oder Marlon Brando an, die der Schule des Method Acting folgen. Was glauben Sie, wie souverän Sie erscheinen werden, wenn Sie Ihr Interesse am Thema nicht darstellen, sondern fühlen?

6. Machen Sie mal Pause.

Gehen Sie immer an eine Rede-Situation entspannt ran und denken Sie an den Vers aus dem Song „Steh auf, wenn Du am Boden bist“ von den Toten Hosen:

„Mehr als Deinen Kopf reißt man Dir nicht weg!“

Auch während der Rede ist Gelassenheit eminent wichtig, erzielt wird sie u. a. durch Pausen. Sie strukturieren den Vortrag, geben Ihren Zuhörern Zeit das Gesagte zu verarbeiten und vor allem: Pausen schenken Ihnen die Chance, durchzuatmen, sich selbst zu sammeln. Mit jedem Atemzug, den Sie in Ruhe machen können, atmen Sie Sicherheit ein.

Ihre Wirkung aufs Publikum ist positiv:

  1. Wer ruhig durch den Inhalt seiner Präsentation geht, strahlt die Souveränität des geübten Experten aus. Auch wenn es in Ihnen kocht, werden Sie doch als sicher und selbstbewusst wahrgenommen.
  2. Ruhige Atmung beruhigt die Stimme und lässt Sie überzeugend klingen. Denn Stressatmung führt dazu, dass Ihre Stimme viel höher klingt – und damit unsicherer. Eine piepsige oder zittrige Stimme überzeugt nicht. Im Gegensatz zur sonoren, in sich ruhenden Stimmlage…

Noch ein Argument für Pausen: Im normalen Alltagsgespräch hetzen wir ja auch nicht von Satz zu Satz, sondern betonen bewusst und setzen Pausen. Warum sollte das im Vortrag anders sein? Je natürlicher, alltäglicher die Präsentation klingt, desto überzeugender ist sie. Und desto sicherer wirkt der Redner.

7. LMAA

Sie wissen, was das bedeutet. Genau: Lächle mehr als andere! Warum? Attraktivität.

Ein offenes, freundliches Lächeln, das von Herzen zu kommen scheint – nennen wir es doch: ein ehrliches Lächeln – macht uns attraktiver: die Offenherzigkeit, die darin zum Ausdruck kommt, die nach oben zeigenden Mundwinkel…

Psychologische Studien haben gezeigt, dass Attraktivität ein gewaltiges Argument ist: beim Verkauf, aber auch beim Urteilsspruch vor Gericht. Kurz gesagt: Je attraktiver der Mensch, desto erfolgreicher ist er. Klar, Attraktivität hängt oft vom Zufall ab, Sie können sie aber auch anderweitig herstellen: Nutzen Sie den Halo-Effekt.

Vom Effekt des Heiligenscheins (englisch: halo) sprechen Psychologen, wenn ein positives Merkmal einer Person den Gesamteindruck über sie dominiert. Zum Beispiel Ihr Lächeln. Ihr ehrliches Lächeln wirkt attraktiv auf die Zuhörer, das wiederum sichert Ihnen Sympathie, denn attraktive Menschen werden als sympathischer wahrgenommen.

Und das verleiht Ihnen Gelassenheit, weil Sie vor Leuten reden, von denen Sie gemocht werden und die Ihnen gern zuhören. Schlussfolgerung: Lächle mehr als andere – aber nur, wenn es inhaltlich passt. Oder wenn Sie begeistern wollen.

P. S.: Lächeln wirkt offen, höflich, sympathisch, kurz: souverän. Testen Sie’s mal am Telefon. Sie werden überrascht sein, wie sicher Sie klingen, wenn Sie lächeln. Und dabei sieht man Sie noch nicht einmal…

8. Nehmen Sie die Sache in die Hand!

„Meine größte Angst besteht eigentlich darin, dass ich vergesse, was ich sagen will.“

In mehr als 15 Jahren Rhetorik-Trainings und Kommunikationsberatung ist das die Furcht, die unsere Kunden am meisten umtreibt. Unsere Rhetorik-Trainer geben darauf immer wieder dieselbe Antwort:

„Kein Problem, dann benutzen Sie am besten Moderationskarten aus gestärktem Papier.“

Warum gestärkte Karten? Mit denen kann man nicht so leicht nervös herumspielen. Das wirkt nicht, als wären Sie hibbelig wie ein Ameisenhaufen.

Tipp zu den Kärtchen: Die richtige Handhaltung während des Vortrags ist am besten auf Höhe der Hüfte. Ihre Arme hängen nicht schlapp am Körper herab, sondern straffen die Schultern und geben dem Körper eine aufrechte, kraftvolle Haltung. Auch das strahlt – Sie ahnen es bereits – Sicherheit aus.

9. Schau mir in die Augen, Kleines.

Okay, wir sind nicht in Casablanca. Ihre Präsentation wird nicht den Zweiten Weltkrieg beenden, Ihr Publikum ist nicht Ingrid Bergman und Sie sind auch nicht Humphrey Bogart. Aber: Es schadet nichts, Ihren Zuhörern trotzdem ins Blau-Auge zu schauen.

Fokussieren Sie die Leute, am besten auf allen drei Seiten des Raumes: links, rechts, mittig. Wechseln Sie sanft die Blickrichtungen ab. Das wirkt souverän, denn

  • weder starren Sie Löcher in die Luft, als würden Sie gerade nach dem Inhalt Ihrer Präsentation suchen,
  • noch blicken Sie wie ein scheues Reh auf der Lichtung hektisch hin und her, immer auf der Suche nach einer rettenden Fluchtmöglichkeit.

Sie stehen gern hier vorne! Zeigen Sie das den Leuten auch, indem Sie sie ruhig und freundlich anblicken.

10. Üben, üben, üben.

Last but not least: Die wahrscheinlich wichtigste Lektion jedes Rhetorik-Trainings:

„Reden lernt man nur durch Reden.“

Diese Weisheit stammt vom größten Redner des antiken Rom, von Marcus Tullius Cicero. Und er hatte Recht: Man wird nicht als Redner geboren. Sie müssen viel Zeit, viel Schweiß, viel Übung investieren, um erfolgreich reden zu können.

Je mehr Praxis Sie haben, desto sicherer werden Sie im Vortrag. Und das gilt auch für die Vorbereitung: Proben Sie Ihre Präsentation, wenn möglich. Erfahrene Rhetorik-Trainer empfehlen meist fünf Probedurchgänge. Das gibt Mut, Ruhe und die Gewissheit: Sie haben sich optimal vorbereitet, mehr hätten Sie nicht tun können. Das ist wahrscheinlich das beste Gefühl vor einem Rede-Auftritt…

Fazit

Ruhe, Selbstsicherheit und Souveränität auszustrahlen ist leichter, als Sie denken. Das Beste dabei: Die Souveränität, die Sie auf Ihr Publikum ausstrahlen, wirkt auf Sie zurück. Auch Sie werden sich plötzlich selbstsicherer fühlen, nur weil Sie souverän auftreten.

Hier noch einmal die wichtigsten Tipps in aller Kürze:

Bereiten Sie sich gut vor, dann sind Sie viel gelassener:

  • Üben Sie den Vortrag
  • überlegen Sie sich, wie Sie sich Ihrem Publikum präsentieren wollen
  • d. h.: Wie möchten Sie „eingeordnet“ werden?

Machen Sie einen guten Eindruck:

  • Lächeln
  • Blick-Kontakt
  • dezente Gestik
  • Leidenschaft dort, wo’s angemessen ist.

Und vergessen Sie nie:

„In der Rhetorik kommt es nicht darauf an, wie Sie sich fühlen. Sondern wie Sie wirken.“

 

Was bereitet Ihnen am meisten Unbehagen bei Präsentationen? as sind Ihre besten Tipps gegen Nervosität oder Unsicherheit? Teilen Sie es uns mit in den Kommentaren!

 

Foto: S. Hofschlaeger, pixelio.de



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